Medellin, aus der einst gefährlichsten Stadt ist eine farbige Metropole geworden

Über Kolumbien, speziell Medellin hört man Verschiedenes - Kolumbien sei gefährlich, hätte sich aber in der Zwischenzeit sehr zum Positiven entwickelt und solle schon bald vom Geheimtipp zum echten must-see werden. So waren wir uns beide doch schnell einig, dass Kolumbien die erste Destination auf unserer Südamerika-Route werden sollte. Kurz vor Abflug wurde es uns dann doch etwas mulmig, da wir noch die ein oder andere Horrorgeschichte über Überfälle etc. gelesen haben.

Medellin
Medellin

Sicherheit in Medellin

Nach der ersten Nacht in Medellin machten wir uns dann etwas verkrampft auf den Weg zum Frühstück. Und jetzt stellt euch uns bitte kurz vor: Mit Sonnencreme (Schutzfaktor 30) gut eingecremt, den Rucksack abwechselnd vorne oder hinten tragend, ein Sicherheitstäschli unter dem T-Shirt. Ja, ich schmunzle gerade selber etwas über unseren imaginären Hochsicherheitstrakt, den wir uns gebaut haben. Natürlich möchte ich die Vorsicht nicht ins Lächerliche ziehen, doch haben wir uns mehr Sorgen gemacht als nötig.

Was sollte man bezüglich eigener Sicherheit beachten?

Natürlich gibt es die ein oder andere ungeschriebene Regel, die man auf jeden Fall beachten sollte und an diese wir uns gehalten haben:

  • Achte darauf, wie sich die Einheimischen bewegen. Tragen sie ihre Taschen und Rucksäcke vorne, haben sie ihre Handys auf der Strasse in der Hand? Du solltest nichts machen, was selbst ein Einheimischer meidet.
  • Informiere Dich vorgängig, in welches Viertel, respektive in welchen Stadtteil Du gehst und wie sicher dieser ist.
  • Prüfe vorgängig, wie Du von A nach B kommst, dies gibt Dir selber ein sicheres Gefühl und Du kommst so zackig ans Ziel.
  • Rufe Dir in der Nacht ein Taxi, egal wie kurz die Distanz zu Deinem Ziel noch ist.
  • Führe Deine Wertsachen versteckt mit - wir hatten übrigens immer ein Notfallgeldseckel versteckt dabei, falls uns das „offensichtliche Portemonnaie“ gestohlen werden sollte.
  • Sei freundlich und lächle. Die Menschen werden zurücklächeln, dies gibt Dir ein gutes Gefühl, Du bewegst Dich freier.
Die Strassen von Medellin
Die Strassen von Medellin

Die Viertel Laureles und El Poblado

Unsere erste Unterkunft lag im Viertel "Laureles". Die Atmosphäre in Laureles ist sehr entspannt. Es gibt viele kleine Cafés und Restaurants, die auch wir sehr gerne besuchten. In der Nacht kann man hier auch sehr gut ausgehen. Viele Reisende beschreiben Laureles als eines der angenehmsten Viertel in Medellin.

 

Die zweite Unterkunft buchten wir im Viertel "El Poblado". Hier finden sich vor allem viele Hotels, Bars, Restaurants und Clubs. Dieses Viertel sei bei den Ausländer das beliebteste Viertel, jedoch nicht der Ort, um einen Eindruck vom "echten" Medellin zu bekommen. 

Die Menschen in Medellin

Die Menschen in Medellin sind sehr freundlich und vor allem hilfsbereit. Sie haben uns immer alles so lange erklärt, bis wir es mehr oder weniger verstanden haben (natürlich auf Spanisch und sehr LAUT, damit wir sie ja auch verstehen).

 

Eine Situation ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Beim kurzen Einkauf im Supermarkt bildete sich an der Kasse eine lange Schlange - wir beide hatten nur eine Flasche Wasser in der Hand. So hat uns eine ältere Dame darauf aufmerksam gemacht, dass es noch eine versteckte Kasse am Hinterausgang gibt, damit wir nicht so lange anstehen müssen. Wenn wir bedenken, dass wir uns in der Schweiz den Platz in der Schlange mit ebenfalls wartenden Pensionären oftmals hart erkämpfen müssen ;).

Parque Arvi

Als ersten Ausflug haben wir uns den „Parque Arvi" ausgesucht, da dieser sehr einfach und eigenständig mit der Metro zu erreichen ist. Die Fahrt mit dem Göndeli führt über mehrere Zwischenstationen und über die Hausdächer Kolumbiens. Die Einheimischen nutzen die Seilbahn täglich als Transportmittel, was ganz schön praktisch ist wenn man sieht, wie weit oben die letzten Häuschen der Stadt gebaut sind. Die Fahrt dauert etwas über 45 Minuten. Nach den vielen Hausdächern erreichten wir die ersten Bäume, und es wurde alles ganz schön grün. 

 

Der Arvi-Park ist ein ökologisches Naturschutzgebiet und lädt zum Wandern ein. Da wir die geführte Wanderung gerade verpasst haben, tranken wir kurz einen Kaffee und machten uns wieder auf den Weg nach unten. Die oberste Station und das „Plateau“ selbst, war für uns nicht speziell schön oder spannend. Jedoch hat sich die Fahrt für uns sehr gelohnt. Wir genossen den Ausblick über die Stadt sehr. Denn erst von etwas weiter oben ist erkennbar, wie gross diese Stadt tatsächlich ist.
Medellin
Medellin
Medellin
Medellin

Parque Arvi
Parque Arvi

Comuna 13 Graffiti Tour

Über Tripadvisor sind wir auf die Tour „Comuna 13 Graffiti Tour von Einheimischen“ aufmerksam geworden. Die bekannte Comuna 13  ist eine von 16 Comunas und befindet sich in San Javier.

 

Über Jahre hinweg war die Comuna 13 ein Kriegsgebiet. Nicht zuletzt wegen der bekannten Serie „Narcos“ auf Netflix, ist den meisten von uns der Name Pablo Escobar ein Begriff. Mit dem Terrorregime vom Drogenkönig tobte in Medellin und ganz Kolumbien ein Bürgerkrieg. Dabei spielte das rechte Paramilitär, die Sicherheitskräfte und die linken FARC-Guerillas eine wesentliche Rolle. Der Stadtteil war für seine blutigen und tödlichen Auseinandersetzungen zwischen den Drogenbanden bekannt geworden, noch bis in den 80er Jahren litt dieser Stadtteil unter dem sogenannten Medellin-Kartell.

 

Im einst gefährlichsten Viertel der Welt findet sich heute ein farbenfroher Ort, an dem Sozialprojekte wie zum Beispiel die Rolltreppen umgesetzt werden. Besonders auffällig sind auch die unzähligen Graffitis, jedes Kunstwerk hat seine eigene Bedeutung und Geschichte.
Wir beobachteten Kinder beim Erledigen ihrer Hausaufgaben auf der Strasse, singende und tanzende Menschen in den verschiedenen „Parks“. Wir fühlten uns wohl, an diesem authentischen Ort. Auch in der Nacht müsse man hier keine Angst haben, so unser Tourleiter, der in der Comuna 13 aufgewachsen ist und noch heute dort lebt. 
Nach einer Weile erreichten wir das Haus der Grossmutter unseres Tourleiters. Sie hat uns in ihr Haus eingeladen und uns mit frischen Getränken versorgt. Unser Guide erzählte uns die Geschichte über seine Grossmutter und wie ihre Kinder getötet wurden - was uns sehr ergriffen hat.
Nach der Frage, ob wir Touristen denn nicht etwas stören, bekamen wir die Antwort, dass sie sehr froh über die Touristen seien. Was sie uns aber auch sagten, dass Medellin noch heute sofort mit Pablo Escobar in Verbindung gebracht werde. Die Geschichte gehöre natürlich zu Kolumbien, sei aber so langsam auch vorbei, denn auch Kolumbien habe sich weiterentwickelt.
Comuna 13
Comuna 13
Kinder bei den Hausaufgaben
Kinder bei den Hausaufgaben
Streetfood, Comuna 13
Streetfood, Comuna 13
Comuna 13
Comuna 13
Kunst, Comuna 13
Kunst, Comuna 13

Graffiti, Comuna 13
Graffiti, Comuna 13
Graffiti, Comuna 13
Graffiti, Comuna 13

Unser Fazit zu Medellin

Wenn ihr die Chance habt Medellin zu besuchen, dann solltet ihr dies definitiv tun. Wir mochten Medellin und seine lächelnden Gesichter sehr. Diese Stadt ist unglaublich gross und vielfältig, an jeder Ecke gibt es etwas zu sehen. Die Kolumbianer, die sich gegenseitig mit ihren Musikanlagen übertönen (und nein, es ist hier wirklich niemals ruhig), haben uns sehr oft zum Schmunzeln gebracht. Medellin war ein guter Vorgeschmack auf die noch kommenden Tage in Kolumbien.

Comuna 13, Aussicht
Comuna 13, Aussicht

Veröffentlicht August 2019 von Marisa Locatelli

Kommentare: 1
  • #1

    Margrit Heid (Mittwoch, 18 September 2019 09:29)

    Super Felix und Marisa
    Ich habe Euren Bericht mit Interesse gelesen und freue mich, Euch auf dieser
    unvergesslichen Reise "begleiten" zu können. Die Fotos sind super.
    Gute Weiterreise und wunderschöne Zeit wünscht Euch Margrit